Seiteninhalt
01.09.2020

Mit Sonnenenergie den Eigenbedarf decken - Das Autohaus Mercedes Müller zeigt wie es geht

Die Dächer des Autohauses sind mit Photovoltaik-Platten bedeckt, das Besondere: Die Speicherung

Freie, meist ungenutzte Flächen. Aus dem Blickwinkel von oben herab lassen sich viele Möglichkeiten erahnen. Schwebt der Blick aus dieser Perspektive über den Industriepark Wittgenstein erhascht der Betrachter ein besonderes Beispiel dazu, was es heißt, Sonnenenergie zu nutzen.

Hier befinden sich knapp 150 Solar-Module auf der gesamten Dachfläche des Erndtebrücker Autohauses. Klaus Löcker, der Geschäftsführer von Mercedes Müller ist begeistert von der Möglichkeit die Wittgensteiner Sonne zu nutzen – bei einer Dachfläche von 1560 Quadratmetern eine lohnenswerte Investition. Zusammen mit Daniel Kunze, dem Geschäftsführer von Wiso Solar aus Feudingen konzipierte Herr Löcker eine, für seine Dachfläche angepasste, Photovoltaik-Lösung. Neben der schon bekannten dezentralen Energieerzeugung gibt es hier eine Besonderheit: die Speicherung der gewonnenen Energie. „Mein Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, welches alle Fragestellungen bedenkt.“ so Klaus Löcker.

Durch eine Photovoltaik-Anlage mittels Sonnenkraft Energie zu erzeugen ist nicht neu. Diese für den eignen Energie-Gebrauch zu nutzen, darin haben viele private Haushalte bereits Erfahrung. Die Fragstellung „Was hat mein Dach mit der Heizung zu tun?“, wie es Kunze lächelnd erklärt, weckt mittlerweile keine Verwunderung mehr. Dass die Energie, die auf der Gewerbefläche des Autohauses entsteht, allerdings in diesem großen Umfang gespeichert werden kann, ist bisher einzigartig in Wittgenstein. Die Speicherung von Solarenergie ist ein Thema, welchem sich Daniel Kunze, Boris Kämmerling und Klaus Löcker mit Leidenschaft und Durchhaltevermögen gewidmet haben: Für die Entwicklung dieses besonderen Projektes sind wegen einer speziellen technischen Komponenten 10 Monate vergangen, was verglichen mit dem zweitägigen Aufbau der 150 Module vor Ort, ein langer Zeitraum ist.

Diese Zeitspanne hat sich allerdings gelohnt, mittlerweile funktioniert die Energieversorgung des Gebäudes Am Gäuseberg komplett autark. Der Stromverbrauch der Hallen ist gleich geblieben, allerdings muss mittlerweile kein Strom mehr zugekauft werden. „Eigene Energie, eigene Sache“ kommentiert Klaus Löcker lächelnd. Diese Besonderheit stellt der Geschäftsführer bei dem Termin auch Bürgermeister Henning Gronau vor. „Es ist ein besonders durchdachtes Projekt, was zeigt, welche Lösungen wir für die Zukunft und unsere Umwelt brauchen!“ so Henning Gronau.

Auf dem Bildschirm vor Ort beobachten Herr Löcker, Daniel Kunze, Boris Kämmerling und Henning Gronau die zeitaktuellen Daten der Energiegewinnung. Ganze 60 Kilowatt kommen an diesem warmen, wenn auch leicht bedeckten Nachmittag durch die Solarmodule im Autohaus an.

Um einem hohen Energieverbrauch primär entgegen zu wirken hat Klaus Löcker in allen Räumen auf LED Beleuchtung und neueste Energietechnik umgesattelt. Da allerdings auch in den späten Abendstunden noch ein konstanter Stromverbrauch in den Räumlichkeiten vonstattengeht, kam die Idee nicht nur den Energieverbrauch der Produkte zu reduzieren, sondern auch eine alternative Energiequelle zu nutzen: Sonnenenergie. Das dies sogar bei sonnenfreiem Himmel und bei Nacht möglich ist, ist der Verdienst der Speicherkapazität.

Während sich der Energieverbrauch in privaten Haushalten in der Regel recht konstant hält, spricht man in der Industrie und dem Gewerbe von Spitzen. In Zeiträumen, in denen auf einmal die Druckluft der Hebebühne, mehrere Werkzeuge, Beleuchtung und Computeranlagen in Hochtouren genutzt werden, schlägt die Statistik des Energieverbrauchs besonders hoch aus. Durch die hohe Speicherkapazität von 65 Kwh und die Nutzung von bereits ‚gesammelter‘ Sonnenenergie stellt dies für das Autohaus jedoch kein Problem dar, hier kann über den Speicher zu gespeist werden.

Ein aktuelles Thema ist neben der Speicherung von Strom auch die Vermarktung. Beispielsweise der Gedanke, dem Nachbarn vom eigen erzeugten Strom etwas abzugeben. Hier gibt es rechtliche Einschränkungen und auch der Strom-Transport steht vor Herausforderungen. Es ist notwendig für die Vermarktung von Strom Konzepte zu entwickeln, findet auch Bürgermeister Henning Gronau: „Hier ist es an der Zeit Brücken zu bauen, die dies ermöglichen. Die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen würde sicherlich mit dieser Möglichkeit noch attraktiver.“

Die Begeisterung von Klaus Löcher und seiner Sonnennutzung ist kaum zu übersehen, für ihn spielt hier, neben dem Gedanken an unsere Umwelt und die Ressourcenschonung, natürlich auch die Idee autark zu sein mit. Um das Konzept rund zu machen sind auf dem Gelände des Autohauses drei interne Ladesäulen für Elektro-Autos geplant – sozusagen eine Tankstelle für Wittgensteiner Sonnenenergie.