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22.12.2020

Heimat-Preis zeichnet herausragendes Engagement aus

Die Gemeinde Erndtebrück heimatet

„Nordrhein-Westfalen heimatet“: Über 140 Städte und Kreise haben sich dazu entschlossen, örtlich einen Heimat-Preis zur Würdigung des örtlichen Engagements vergeben zu wollen.

Am 24. Juni 2020 hat der Rat der Gemeinde Erndtebrück den Beschluss gefasst, lokal einen „Heimat-Preis“ zu vergeben. Der „Heimat-Preis“ ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, um in Kommunen herausragendes Engagement von Menschen für die Gestaltung der Heimat vor Ort in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

„Die Bewerbungen für den Heimat-Preis zeigen was uns in Erndtebrück ausmacht: herausragendes Engagement und Vielfalt. Durch den Heimat-Preis haben wir die Möglichkeit bis zu drei Bewerbern ‚Dankeschön‘ zu sagen. Die eingereichten Bewerbungen sind mit viel Herzblut erstellt worden – die Projekte dahinter richten sich an Jung und Alt. Wir werden den Heimat-Preis auch in den Folgejahren verleihen, um den vielen ehrenamtlichen Akteuren die unser Zuhause so lebenswert machen Dankeschön zu sagen.“ so Bürgermeister Henning Gronau.

„Ich freue mich, dass sich der Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V., der Heimatverein Erndtebrück e.V. und die Kinderrockband Rayquasa erfolgreich für den ‚Heimat-Preis‘ beworben haben. Für ‚Heimat‘ gibt es keinen allgemeingültigen Begriff: Jede und jeder wird die Frage ‚Was bedeutet für Sie Heimat?‘ anders beantworten. Bei ‚Heimat‘ geht es um das Verbindende, um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Nur eine Politik, die wertschätzt, was Menschen jeden Tag in unserem Land im Großen und vielmehr im Kleinen leisten, wird dazu beitragen, dass Heimat bewahrt und gleichzeitig für die Zukunft gestaltet werden kann“, so Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bis zum 16.08.20210 konnten Projekte als Bewerbungen für den Heimat-Preis eingereicht werden. Die Projekte wurden anhand von sieben verschiedenen Kriterien mit bis zu 3 Punkten durch eine Jury bewertet. Folgende Kriterien wurden zuvor festgelegt: „Heimat und Tradition“, „ehrenamtliches Engagement“, „Innovation“, „Zugänglichkeit und Barrierefreiheit“, „Nachhaltigkeit“, „Möglichkeit zur Beteiligung“ und „gesellschaftlicher Mehrwehrt“.

Die Jury setze sich hierbei aus einem breiten Querschnitt der Bevölkerung zusammen. Jede Ratsfraktion der Gemeinde Erndtebrück hatte die Möglichkeit je ein Mitglied aus den eigenen Reihen und der Bürgerschaft zu benennen. Die Fraktionen benannten folgende Jurymitglieder: CDU: Heinz-Josef Linten, FDP: Detlev Rath UWG: Matthias Althaus und SPD: Tim Saßmannshausen. Aus der Bürgerschaft wurden von den Fraktionen folgende Mitglieder benannt: Karl-Peter Rasche, Henrike Weiand, Heinz-Adolf Stöcker und Karl-Friedrich Müller. Gemäß Förderbestimmungen können bis zu drei Bewerber ausgezeichnet werden. Von dieser Möglichkeit machte die Jury Gebrauch. Da coronabedingt keine Preisverleihung im großen Rahmen stattfinden konnten, übergab Bürgermeister Henning Gronau den Heimat-Preis-Pokal persönlich in der jeweiligen Umgebung.

Den ersten Preis erhält der Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V. für das Projekt „Dorfbegegnungsplatz im Zeiche“, welches aus der Errichtung eines Heimathauses mit Glockenturm, in einem ungenutzten Gefrierhaus, und der Anlegung eines Bauergartens besteht.

Der zweite Preis geht an den Heimatverein Erndtebrück e.V. für die Errichtung des Heimatmuseums im Alten Rathaus.

Die Kinderrockband Rayquasa bekommt für die Gründung ihrer Band, mit der sie Integration und Kultur schafft, den dritten Preis. Die Preisgelder orientieren sich hierbei am Ergebnis der Bepunktung durch die Jury.

Weitere Informationen zum Heimat-Preis und die einzelnen Projekte der Gemeinde Erndtebrück finden Sie unter: www.erndtebrueck.de

Allgemeine Informationen zum „Heimat-Preis“ können Sie auf der Homepage des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen unter www.mhkbg.nrw und in den sozialen Medien unter dem Hashtag #nrwheimatet finden.

Allgemeine Informationen zum Heimat-Preis:

  • Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen fördert durch die Übernahme von Preisgeldern die Auslobung und Verleihung von „Heimat-Preisen“ durch Gemeinden und Gemeindeverbände. Damit befähigt die Landesregierung – getreu dem Ziel: Heimat wächst von unten – Gemeinden und Gemeindeverbände vor Ort, dass lokale Engagement unserer zigtausend ehrenamtlichen Tätigen zu würdigen.

  • Unmittelbare Zuwendungsempfänger sind Gemeinden und Gemeindeverbände in Nordrhein-Westfalen.

  • Bei einer Stadt oder Gemeinde bedarf es eines Ratsbeschlusses, dass die jeweilige Gemeinde den „Heimat-Preis“ verleihen möchte; bei einem Kreis bedarf es eines Kreistagsbeschlusses.

Der jeweilige Gremienbeschluss hat die Preiskriterien festzulegen. Die Gemeinden und Gemeindeverbände würdigen im Rahmen der Teilnahme an dem Förderelement „Heimat-Preis“ das lokale Engagement und nachahmenswerte Praxisbeispiele im Bereich Heimat.

Preisträger des Heimat-Preises der Gemeinde Erndtebrück

3. Platz: Rayquasa

In der Realschule fing 2015 alles an … Aus einer wöchentlichen Musik-AG wurde binnen 4 Jahren eine waschechte Rockband. In 2018 folgte der Nachdreh eines Musikvideos der Band Metallica, das im Internet zu einem vollen Erfolg wurde - Die Band Rayquasa wurde gegründet. Nun freut sich die Gemeinde Erndtebrück, vertreten durch Bürgermeister Henning Gronau, die Rockband Rayquasa mit dem Heimat-Preis, für die Gründung ihrer Band und den Einsatz für Integration und Kultur, auszuzeichnen.

Der Heimat-Preis wird authentisch in dem bekannten Proberaum von Grandmamas Backside überreicht. Dieser Ort ist gerade deshalb passend, da sich die Band um Sänger Roman Wunderlich fest vorgenommen hat, in die Fußstapfen der bekannten Erndtebrücker Bands „Bogga“ und „Grandmamas Backside“ zu treten.

Und dieses Ziel jagen sie mit großen Schritten: 2019 war das erste Live-Jahr für Rayquasa - Die Band bestritt über 25 Auftritte, hauptsächlich in Wittgenstein aber auch in Köln, Düsseldorf und weiterer Umgebung. Die Kids schafften es bei einem der größten Nachwuchsmusikwettbewerbe in Köln sogar bis ins Halbfinale. Somit hat Erndtebrück endlich wieder eine junge Rockband, die es auch über die Grenzen von Wittgenstein hinaus schafft.

Da Rayquasa ursprünglich aus Schülern der Realschule Erndtebrück besteht, gibt es viele spannende Geschichten rund um ihre Entstehung, die auch bei der Preisübergabe zur Sprache kommen. Sätze wie „Als (Hausmeister) Martin Sanner unseren Artur vom Kuhglockenspieler zum Bassisten machte“ bringen sowohl die Preisträger, als auch Bürgermeister Henning Gronau zum Lachen.

In 2020 konnten die Kids, mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren, beim Wacken:Musik:Camp, einem Projekt der bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim, teilnehmen. Hier gab es Unterstützung von renommierten Metall-Musikern wie Critical Mess oder In Extremo in Sachen Songwriting. Die Erfahrungen dieser Tage prägten die Bandmitglieder so stark, dass Sie anschließend erneut den Kontakt zum Vocal-Couch Britta Görtz aufnahmen. Die Frontsängerin zeigte Rayquasa nicht nur Stimm-Techniken, wie Screamen, Growling, Shouting und Clean-Gesang sondern brachte auch gekonnt rüber, die eigene Stimme wie ein Instrument zu benutzen. Ein Instrument, das wie jedes andere Musikinstrument gelernt und erprobt werden muss. Außerdem brachte Britta Görtz viel Know-How mit, welches die Bandmitglieder, nicht nur bei Görtz ‘ Besuch in Erndtebrück, sondern auch darüber hinaus beim Texten, den Videos-Drehs oder den Bandproben für sich nutzen konnten.

Die Themen der Texte der fünfköpfigen Band reichen von Umweltzerstörung, Jugendthemen wie Computerspielsucht bis hin zum Thema Heimat. „Mit diesen Songs wollen wir uns zur Geltung bringen. Junge Stimmen werden oft nicht gehört – wir haben aber etwas zu sagen!“ leitet Frontmann Roman, bei einer kleinen Hörprobe zur Preisübergabe, eines der Lieder ein.

Das Schreiben der Texte übernehmen die Bandmitglieder mittlerweile selbst. Einer der Songs wurde von Arthur Papoyan verfasst, der mit 13 Jahren aus Armenien nah Deutschland kam – Für den Bassisten flossen hier einige aktuelle Themen in die Zeilen ein. Heimat oder die Ängste vor dem Einzug zum Kriegsdienst sind Themen, die der Erndtebrücker durch die Musik gut transportieren kann. Beim Gitarrensolo waren vermeintlich armenische Klänge herauszuhören, diese besonderen Melodien ziehen in ihren Bann – verbunden mit der Stärke und dem Einklang der ganzen Band.

Eine tiefe Verbindung zur ihrer Anfangszeit in der Realschule haben die Musiker noch immer und gerade daher dürfen wir gespannt sein, was die Erndtebrücker Band im neuen Jahr für uns bereithält. Die Gemeinde Erndtebrück wünscht der Band und ihren Unterstützern weiterhin viel Erfolg und Zusammenhalt beim Formen ihrer Bandkarriere.

2. Platz. Heimatverein Erndtebrück e.V.

Der zweite Preis geht an den Heimatverein Erndtebrück e.V. für die Errichtung des Heimatmuseums im Alten Rathaus. Seit der Übergabe des „Alten Rathauses“ zwecks Einrichtung einer ‚Heimatstube‘ leistet der Heimatverein einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für den Erhalt und der Weiterentwicklung des Heimatgedankens.

Für dieses Engagement wurde der Heimatverein mit dem zweiten Platz des Heimat-Preises geehrt. Stellvertretend für den Verein nahmen Rainer Lückel, Lutz Körnert und Rolf Wenzel den Preis, überreicht durch Bürgermeister Henning Gronau, entgegen. Mit dem Preis in beiden Händen richtet Rainer Lückel sein Wort an die Anwesenden: „Mein Dank geht an alle, die die Arbeit des Heimatvereins würdigen und zur Verleihung des Heimat-Preises beigetragen haben.“

Dass das Preisgeld in den Räumlichkeiten des Heimatmuseums sinnvoll eingesetzt werden wird, sind sich die drei Mitglieder einig. Und wer bei den Räumen im Alten Rathaus nur an die große Modellbahnanlage, die Erndtebrück als Eisenbahnerdorf im Jahre 1912 zeigt, denkt, der kennt nur einen kleinen Bruchteil der Ausstellung. Vor allem am Tag der ‚Offenen Tür‘ eröffnen sich hier über 30 Themen-Räume. Das Museum in der Siegener Straße beherbergt unzählige Exponaten aus Bereichen wie Jagd, Waldbewirtschaftung, Weberei, Wohnen zu Uromas Zeiten und vielen typischen dörflichen Gewerben, die durch das persönliche Engagement und Ehrenamt vieler Mitglieder gesammelt, hoch geschätzt und in Szene gesetzt werden.

Das historische Klassenzimmer wurde von der Uni Siegen außerdem als ‚Außerschulischer Lernort‘ auserkoren, den so mancher Erndtebrücker Grundschüler bereits auch im Schulalltag erleben durfte. Bürgermeister Henning Gronau zeigt sich beeindruckt über das Engagement vor Ort. Auch über die Förderung hinaus, leisten die Mitglieder des Vereins in den Räumlichkeiten großen Einsatz: „Es freut mich, dass wir durch den Heimat-Preis eine weitere Möglichkeit haben, ‚Danke‘ zu sagen und die Projekte vieler ehrenamtlicher Akteure vor Ort besonders zu würdigen.“

1. Platz: Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V.

Den ersten Preis erhält der Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V. für das Projekt „Dorfbegegnungsplatz im Zeiche“, welches aus der Errichtung eines Heimathauses mit Glockenturm, in einem ungenutzten Gefrierhaus, und der Anlegung eines Bauergartens besteht.

„So ist das mit Ideen: Wenn irgendeiner in Schameder eine hat, findet er immer auch Leute die mithelfen.“ leitet Bernhard Motl direkt zu Beginn ein. Darauf folgt eine lange und interessante Liste an Projekten, die die Schamederaner in den letzten Jahren gemeinschaftlich umgesetzt haben und umsetzen wollen.

In einem der größeren Projekte wird der erste Preis an den Heimat- und Verkehrsverein Schameder übergeben: im Heimathäuschen. Das ehemalige Frosthäuschen „Im Zeiche“ in Schameder wurde über viele Jahre hinweg genutzt. Hier hatten die Bewohner des Dorfes einen Platz, an dem sie Nahrungsmittel und verderbliche Waren bei ‚frostigen‘ Temperaturen lagern konnte.

Dieser Ort voller Tradition wurde von vielen fleißigen Helfern zum „Heimathäuschen“ umgestaltet. Unzählbare Arbeitsstunden investierten die Bewohnerinnen und Bewohner der Ortschaft in dieses Gebäude: „Bei einer Vereinsgründung will man auch ein Heim haben.“ bemerkt Bernhard Motl zur Errichtung der Heimatstube und der Gründung des Heimat- und Verkehrsverein Schameder. Das Frosthäuschen wurde komplett entkernt, das Dach erneuert, Innen- und Außenarbeiten erledigt und die Umgebung angepasst. Heute dient das Heimathäuschen dazu, Vorstandssitzungen abzuhalten, gemeinsames Handarbeiten der Frauen, Heimatabende und das zur Tradition gewordene alljährliche Wichteln zu Weihnachten durchzuführen. Viele Exponate aus vergangen Jahrhunderten schmücken nun den Ort „Im Zeiche“ – Handmühlen, Gugelhupfformen und ein historischer, noch funktionsfähiger Ofen, der bei gemütlichen Abenden der Vereine Wärme spendet.

Zum Umfeld: Auf der linken Bachseite „Im Zeiche“ war ursprünglich ein verwilderter Bolzplatz zu sehen, aus dem nun ein Bauerngarten geworden ist. Dieser wurde gemeinschaftlich vorbereitet und bepflanzt und blühte passend zum 700-jährigen Jubiläum voll auf. Auch ein Jahr nach dem Jubiläum treffen sich dort noch immer Bewohnerinnen und Bewohner, um sich über Tipps und Tricks bei Betreiben eines Nutzgartens auszutauschen. Gerade die Ernte im Herbst bringt viele Bewohnerinnen und Bewohner Schameders zusammen. Hier gibt es für die Helfer ein kleines Kartoffelbraten. Markant sticht selbst in der dunklen Jahreszeit der Birkenzaun hervor, ein gutes Bespiel für die, auch kreative, Handwerklichkeit im Ort.

Ehemals bei der Schule in Schameder verortet, findet sich der historische Glockenturm nun neben dem Heimthäuschen wieder. Er ist ein weiteres gutes Beispiel für den Willen der Schamederaner Historisches zu wahren und in einen neuen Zusammenhang zu setzen. Der über 90 Jahre alte Glockenturm ist vielen Schamederanern ans Herz gewachsen, viele verbinden damit noch heute einige Gedanken zum täglichen Schulgang. Daher wurde der Turm, inklusive neuer Glocke, von vielen Helfern und durch fachmännische Zimmerei- und Dachdeckerarbeiten wiederhergestellt. Die Spenden für die Glocke hatte der Heimatverein bereits nach dem ‚Stehenden Festzug‘ beim Jubiläum zusammen, berichtet Motl. Hier geht es in Schameder „Zack, Zack“ – wie die Mitglieder des Vereins lachend bemerken. Eine Einweihung des Glockenturms ist bisher leider noch nicht erfolgt, werde aber unbedingt nachgeholt, sobald es die Corona-Situation wieder zulässt.

Dass eine Dorfgemeinschaft zusammen viel erreichen kann, bestätigt auch Bürgermeister Henning Gronau beeindruckt, bei der Übergabe des Heimatpreises: „Dass hier vor Ort viel Tatendrang und Herzblut in jedem einzelnen Projekt steckt, dass konnte bereits auf dem 700-jähirgen Jubiläum stark wahrgenommen werden.“ Er überreicht Bernhard Motl, Sascha Roth, Jörg Stöcker und Carsten Dreisbach stellvertretend für den Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V. die Trophäe. „Umso mehr freut es mich, dass wir heute den ersten Preis des Heimatpreises in euer Heimathäuschen bringen können. Dieses steht auch symbolisch für die Gemeinschaft, die eine Vielzahl solcher Projekte möglich macht.“