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09.10.2019

Männer und Frauen der ersten Stunde

Ehemalige aus Bundeswehr und NVA besuchten mit ihren Frauen den Einsatzführungsbereich 2

Erndtebrück. Es war eine besondere Besuchergruppe, die jetzt den Luftwaffenstandort Erndtebrück besuchte: Ehemalige Luftwaffensoldaten, die im Zuge der Wiedervereinigung hautnah mit dabei waren, als die Bundesluftwaffe das Kommando über die Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) übernahm. Besonders auch deshalb, weil die Gruppe sich heute immer noch jährlich zum 3. Oktober gemeinsam mit Ihren Frauen trifft, um die denkwürdige Zeit rund um dieses Ereignis Revue passieren zu lassen. 

Interessante Erinnerungen rund um die Wiedervereinigung

Zunächst hieß der derzeitige Stellvertreter des Kommandeurs, Oberst Dieter Beck, die Gäste mit herzlichen Worten willkommen. „Ich persönlich freue mich, dass ich hier sein kann um sie zu begrüßen, denn ich messe diesem besonderen Besuch eine hohe Bedeutung bei“, betonte Oberst Beck.

Dann war es aber nicht der Kommandeur, der die Besucher mit einem Vortrag über den Verband informierte. Hauptmann a.D. Mertes, auch einer der Männer der ersten Stunde, trug vor, welche spannende und schwierige Aufgabe vor 29 Jahren vor den Anwesenden lag: Die Übernahme des Kommandos über die Luftstreitkräfte der NVA und somit auch die Verantwortung für die Überwachung des nunmehr gesamtdeutschen Luftraums. Soldaten der Bundesluftwaffe und der ehemaligen NVA nahmen sich dieser Aufgabe gemeinsam an, um durch die Nutzung der verschiedenen Expertisen den bestmöglichen Erfolg zu erzielen.   Am 3. Oktober 1990, 00.00 Uhr war es dann soweit: Das nunmehr souveräne Deutschland übernahm die Sicherung des Luftraums über den neuen Bundesländern in eigener Regie. Die Herausforderung lag hierbei besonders in der Nutzung der unterschiedlichen Technik. Ebenfalls gab der zwei-plus-vier-Vertrag vor, dass keine NATO-integrierten Systeme genutzt werden durften. Um diese Vorgaben einzuhalten, wurde am Luftwaffenstandort in Erndtebrück ein nationaler Gefechtsstand eingerichtet, von dem aus, in Zusammenarbeit mit einem Gefechtsstand in Fürstenwalde, der Luftraum über dem Osten Deutschlands bis Ende 1994 überwacht wurde.

Nach diesen interessanten Einblicken in die Vergangenheit ließen es sich die Besucher aber nicht nehmen, sich einen Einblick in die heutigen Aufgaben des Einsatzführungsdienstes zu verschaffen. Vieles hat sich in den Jahren verändert. Vor allem die moderne Technik hat es ermöglicht, dass von den seinerzeit zehn Luftraumüberwachungszentralen, alleine in den Grenzen vor 1990, nur noch zwei notwendig sind, um an 365 Tagen / 24 Stunden die notwendige Kontrolle zu gewährleisten. Interessiert besichtigten die Gäste den modernen Gefechtsstand und die modernen Ausbildungsanlagen am Standort Erndtebrück, was nicht selten zu intensiven „Expertengesprächen“ führte.

Text: Oliver Klaas